ICD10 F32

  
De-pres-si-on, eine psychische Erkrankung. Ich bin depressiv. Falsch, die Krankheit definiert mich nicht, sondern begleitet mein Leben.
Ich habe Depressionen. Richtig.

Leben. Wo kann man auf Stop drücken?

Sekunde.

Done.

Wir können starten, ich bin bereit.

Ich bin depressiv.

Auf deutsch: Ich stecke in der Scheiße knietief. Für mich gibt´s keine Farben, keine Muster, null Beleuchtung, zero Glitzerstaub. Meine Tage sind geprägt von Schatten, Ecken, und verdorbenes, zu Boden gefallenes, zertretenes Laub. 

Ich bin nicht nur traurig, hashtag “notjustsad”, wie Jana es schrieb, sondern ich bin so verdammt viel. 

Mein Kopf, mein Hirn, meine Gefühlspalette, ist so divergent, dass jeder noch so kleine Impuls, sich in ihr verrennt. 

Mal lache ich laut und klar, mit voller Seele, dass Sterne strahlen, und meine Lachfalten stolz prahlen, wie als würden sie in die Welt schreien: “ Schau wie beschissen happy ich bin!”. 

Depressiv sein, ist so unterschiedlich, so wesensfremd, dass selbst Einstein ganz gehemmt, sein Glas niederlässt und der Abschied sich aus seinem Totenhemd zwängt. Ich gebe zu, ich lache selten, aber wenn – dann so richtig, weil ich bin artig und Glück, wie mir Mama lehrte, ist wichtig.

Dann fühle ich Zorn, Wut, Ärger und Hass. Beim letzten Wort schleicht sich Gänsehaut über meine Hülle, denn Hass ist einfach- krass- das Gegenteil von Liebe, die ich auch fühle, nur eben nicht so intensiv, sondern mehr so degenerativ.

Die Palette dreht sich und der Zeiger stoppt bei Angst. 

Dreh dich, dreh dich. Dreh dich! 

Ich puste und huste, Rauchen ist kacke, aber ich brauche zumindest ein Laster auf meiner Backe, also huste ich weiter und begreife, dass meine Hoffnung scheitert. Angst bleibt stehen. 

Angst. 24/7. Ein unfreiwilliger all- inclusive Vertrag, bis zu meinem lang ersehnten Todestag.

Stell dir vor, deine Depression fesselt dich ans Bett, hält dir eine Knarre an die Schläfe, ganz nach Russian Roulette. Ist sie deine einzige Freundin, deine Verbündete, deine Ziehmutter, du merkst nicht, wie sie dich zerstört. 

Ihre Macht, macht dich kaputter.

Ich will gehen. 

Ich will arbeiten.

Ich will feiern,

Partys schmeißen, 

Menschen mit meinen Witzen mitreissen, 

durch die Wlet reisen, allen beweisen, dass ich WILL, und nur nicht kann, dass ich drauf scheisse, weil es keinen Sinn hat, es ist hoffnungs-los, wie ein zuckerfreies Donut, ist nicht das Wahre, sondern ein gescheiterter Versuch. 

Ich- bedeutungslos.

Ich- charakterlos.

Ich- antriebslos.

Du glaubst du hast das Limit erreicht, doch keine Sorge, die Depression macht´s dir nicht zu leicht. Denn ihre Busenfreundin ist die Angst, und die kreischt schon in deinem Kopf. Ich falle zu Boden, und sie nutzt jede Methode um mich zu besiegen. Ich höre es ganz klar, meine einzige Alternative. Liegen. Sie wird lauter, schriller. Könnt ihr sie hören? 

Warum liegst du faul herum? Du hast soviel zu tun! Uni, Abwasch, Leben, Feiern, Lieben, die Liste ist ewig! Du wie eine 100- Jährige- bettlägrig! 

Du faules Stück NICHTS! 

Reiss dich zusammen! Du Loser! Du undankbarer Lebens-User! 

STOP.

ICD 10, F 32 – viele benennen es “Depression”; ich würde lieber meinen : Willkommen auf meiner Todesmission.

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